Das Rauchhaus
begründet seinen Namen aus der Zeit, als die „Bauernsacherl“ noch keine Kamine hatten. Der Rauch verzog sich zwischen Balken und Holzschindeln, die die Wärme im Haus hielten. Das Rauchhaus wurde anno 1697 erbaut und gehörtsomit zu einem der ältesten Anwesen in Seeon. Durch ungemein mühselige wie liebevolle Restaurierung wurde es vor dem Verfall gerettet — und mit einem Schornstein versehen.
Die Eingangstür, eingerahmt mit rotem Marmor, sowie die Zugänge in Garten und Wirtschaftsräume zeigen eine Symbiose aus Nostalgie und Kunstverstand. Innen detailgetreue winzige Winkel, kuschelige Nischen mit Blick auf den offenen Kamin, Bauern-oder Kachelofen- einfach unbeschreiblich. Tische und Bänke wie zu Urgroßvaters Zeiten, Bachwummerln im Boden, Kalkmörtel als Wandverputz und altes
Deckengewölbe - ein Ort, wo man sich geborgen fühlt und im Kerzenschein sinniert, wie muss es wohl in der alten Zeit gewesen sein.
Historisches zum Rauchhaus
Nach Freilegung der noch vorhandenen historischen Substanz erfolgte die Eintragung in die Liste der Baudenkmäler. Mit den Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurde im Herbst 1992 begonnen. Große Unterstützung fand die Maßnahme durch den Bürgermeister, dem Kreisbaumeister und dem Denkmalamt. Die Restaurierungsarbeiten wurden im Frühjahr 1995 abgeschlossen. Das Gebäude ist ein nachgotisches Mittelflurhaus. Bei der Bausanierung von 1992 bis 1995 wurden Hinweise festgestellt, die vermuten lassen, dass ursprünglich das gesamte Erdgeschoss des Wohnteils ebenfalls hölzern war.
Erst später in der Barockzeit wurden hier die Blockwände durch Mauerwerk aus Klaubsteinen und Kalkmörtel ersetzt. Die a-typische,
stark außenwinkelige Grundrissstruktur des Erdgeschosses weist darauf hin, dass das Bauwerk von 1697 zumindest zum Teil auf bereits damals vorhandenen Grundfeste errichtet wurde. Im Ursprung handelt es sich, wie zu dieser Zeit üblich, um ein sogenanntes "Rauchhaus". Das heißt, das Anwesen hatte keinen Schornstein. Der Rauch der offenen Herdstelle stieg über den Flur durch das ganze Gebäude hoch, um dann durch undichte Stellen im Holzschindeldach oder durch eine Rauchabzugsklappe im Dachbereich nach außen abzuziehen. Bei der Sanierung konnten deshalb noch heute völlig rußgeschwärzte Holzteile freigelegt werden. Nachdem Sie die giebelseitige Haustüre durchschreiten, finden Sie gleich links den Zugang zur ehemaligen Metzgerei. Hier wurde geschlachtet. Die anschließende jetzige große Stube mit Kachelofen diente zu dieser Zeit als Metzgerei. Bei der Restaurierung wurde festgestellt, dass der Vorplatz früher mit faustgroßen Klaubsteinen gepflastert war. Über die Jahrhunderte sammelte sich auf dem Pflasterbelag eine Erdschicht von gut einem halben Meter an. Die Dorfmitte von Seeon, früher genannt "Niederseeon", wurde bestimmt von der Kirche, sowie durch die ehemalige Klostertaverne - heute 'Alter Wirt'. Sie wurde im Jahre 1616 von den Benediktinern des Inselklosters erbaut. Zwischen der Klostertaverne und der Hauptstraße lag noch das zur Taverne gehörige Ökonomiegebäude mit Kuhstall und Tenne. Auf der anderen Seite der Dorfstraße war noch der Schmied von Seeon. Bei den Sanierungsarbeiten im ehemaligen landwirtschaftlichen Teil des Anwesens wurde im Innenhof ein altes Gewölbe ausgegraben. Nachforschungen ergaben, dass dieses als Regenwasserzisterne zum Tränken der Kühe und Zugochsen diente. Im übrigen, das Kreuzgratgewölbe mit der dünnen Steinsäule benutzte man früher als Kuhstall. Das andere große Gewölbe war der Ochsenstall.
Quelle: Rudolf Rechl
Architekt des Rauchhauses
